Untersuchungshaft in Berlin: Wege aus der Haft

Untersuchungshaft trifft Menschen, die noch nicht verurteilt sind. Ein erfahrener Strafverteidiger kann oft erreichen, dass der Haftbefehl aufgehoben oder gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wird.

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Das Wichtigste zuerst Sie haben in jeder Lage des Verfahrens das Recht auf einen Verteidiger (§ 137 StPO) – bei Untersuchungshaft wird zwingend ein Pflichtverteidiger bestellt, den Sie selbst benennen können. Kontaktieren Sie uns mit Vorname, Nachname, Geburtsdatum, möglichst dem Aktenzeichen und dem Ort, an dem sich der Betroffene befindet.

Was ist Untersuchungshaft?

Untersuchungshaft ist die Inhaftierung eines Beschuldigten, bevor ein Gericht über die Tat entschieden hat. Sie soll den Ablauf des Verfahrens sichern und darf nur unter strengen Voraussetzungen angeordnet werden: Es muss ein dringender Tatverdacht bestehen, ein Haftgrund vorliegen, und die Haft muss verhältnismäßig sein.

Die Haftgründe

  • Fluchtgefahr: Das Gericht befürchtet, dass sich der Beschuldigte dem Verfahren entzieht. Sie wird häufig angenommen, wenn eine hohe Freiheitsstrafe droht und keine festen sozialen Bindungen – Wohnung, Arbeit, Familie – bestehen.
  • Verdunkelungsgefahr: Es besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte Beweismittel vernichtet oder Zeugen beeinflusst.
  • Wiederholungsgefahr: Bei bestimmten Delikten, wenn weitere erhebliche Taten zu befürchten sind.
  • Schwere der Tat: Bei schwersten Vorwürfen wie Mord oder Totschlag sind die Anforderungen an die Haftgründe abgesenkt.

Wichtige Schritte nach der Festnahme

  • Vorführung beim Richter (§§ 115, 128 StPO): Spätestens am Tag nach der Festnahme entscheidet der Richter, ob Untersuchungshaft vollzogen wird oder Haftverschonung in Betracht kommt.
  • Haftprüfung (§ 117 StPO): Sie können jederzeit beantragen, dass das Gericht den Haftbefehl überprüft. Auf Antrag findet eine mündliche Verhandlung statt, spätestens zwei Wochen nach Eingang des Antrags.
  • Haftbeschwerde (§ 304 StPO): Alternativ kann gegen den Haftbefehl Beschwerde zum Landgericht eingelegt werden.
  • Haftprüfung durch das Kammergericht (§ 121 StPO): Dauert die Untersuchungshaft länger als sechs Monate, prüft das Oberlandesgericht – in Berlin das Kammergericht –, ob die Fortdauer gerechtfertigt ist.

Ein erfahrener Strafverteidiger kann gerade in diesen frühen Phasen entscheidend Einfluss nehmen. Häufig lässt sich erreichen, dass der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wird (§ 116 StPO) – etwa gegen Meldeauflagen, Abgabe des Reisepasses oder eine Sicherheitsleistung.

Nach der Haftanordnung

  • Akteneinsicht: Der Verteidiger hat Anspruch auf Einsicht in die Teile der Akte, auf die sich der Haftbefehl stützt – Grundlage jeder Haftprüfung.
  • Besuche: Der Verteidiger darf seinen Mandanten jederzeit und unüberwacht besuchen. Familie und Freunde müssen Besuche vorher beantragen. Soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, ist für Betroffene und für die Haftprüfung wichtig.
  • Persönliche Angelegenheiten: Wohnung, Arbeitgeber, Kinderbetreuung – auch hier unterstützen wir, damit die Haft nicht zusätzliche Schäden anrichtet.

Kurze Wege zur JVA Moabit

Die Untersuchungshaftanstalt Moabit liegt nur rund 700 Meter von unserer Kanzlei entfernt. Das ermöglicht häufige, auch kurzfristige Besuche und eine enge Abstimmung mit dem Mandanten – gerade in der Vorbereitung einer Haftprüfung entscheidend.

Häufige Fragen

Wie lange kann Untersuchungshaft dauern?

Grundsätzlich höchstens sechs Monate, solange kein Urteil ergangen ist. Länger nur, wenn die besondere Schwierigkeit oder der Umfang der Ermittlungen dies rechtfertigt – darüber entscheidet das Kammergericht in der Haftprüfung nach § 121 StPO.

Wird die Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet?

Ja. Die Zeit in Untersuchungshaft wird grundsätzlich voll auf eine spätere Freiheits- oder Geldstrafe angerechnet (§ 51 StGB).

Verfasst von Florian Beisenbusch, Fachanwalt für Strafrecht und Fachanwalt für Verkehrsrecht in Berlin-Moabit. Die Informationen ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

Soforthilfe von Ihrem Strafverteidiger in Berlin

Bitte schildern Sie hier keine Angaben zum tatsächlichen Geschehen. Tragen Sie stattdessen ausschließlich den aktuellen Stand des Verfahrens ein, zum Beispiel: Durchsuchung, polizeiliche Anhörung, Vorladung, Untersuchungshaft, Strafbefehl, Anklageschrift oder Urteil.

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